Es war ein kleiner Link auf www.sportclubplatz.com zu einer Homosexuellenzeitschrift. Doch es könnte der berühmte Schmetterlingsflügelschlag, der sich zu einem Wirbelsturm entwickelt, sein. Eigentlich ist zu hoffen, dass es kein Sturm im Wasserglas bleibt!
I do not think it matters if I like girls or boys
Zugegebenermaßen ist es nicht ein Weltstar, der sich da outete. Anton Hysen spielt beim viertklassigen schwedischen Verein Utsitkens BK. Immerhin war sein Vater Glenn Spieler bei Liverpool und der Fiorentina. Auch ist er nicht der erste aktive Spieler, der sich outet. Justin Fashanu war 1990 der erste Spieler, der sich outete. Seine Geschichte ist aber mehr als traurig und endete nach Beendigung seiner Karriere im Freitod, nachdem ihm in den USA vorgeworfen wurde, pädophil zu sein. Anton Hysen aber wirkt psychisch stabiler, hat das Back-up seiner Familie, um diesen Schritt zu tun und hat mit seiner zitierten Aussage recht – es ist egal, wer wen wo wie und so weiter…
Fucked up
So bezeichnet Hysen den Umstand, dass sich sonst keiner traut. Doch ist das nicht irgendwo klar, dass das keiner tut? Bei einer Prävalenzrate von 7-10% Homosexualität in der Gesamtbevölkerung kann man davon ausgehen, dass dieser Wert bei Fußballern geringer ist. Die Männer- und Bubenrunden beim Training, 20 nackte Burschen und Erwachsene in der Umkleide Kabine, die Fans, die die sexuelle Orientierung des gegnerischen Anhang als schwul bezeichnen und das abschätzig meinen – ein junger Mann, der erkennt, dass er schwul ist, flüchtet vermutlich oftmals. Dass aber unter den Tausenden Kickern sich erst 2 (!) offen zu ihrer Homosexualität bekannt haben bzw. es sind, ist beim besten Willen nicht vorstellbar und zeichnet ein grausam-intolerantes Bild der kleinkarierten Gesellschaft, in der alles Andere als die eigene Wertkonservativität einfach “schwul” ist.
And gay
Es ist für Frauen leichter, sich als lesbisch zu outen. Die Männerdomäne Fußball war ein hartes Land, es war und ist teilweise nach wie vor verpönt, zumindest “im Block”, bei den harten Jungs, zustehen.Im deutschprachigen Raum und Amerika oder Brasilien hat es der Frauenfußball aber geschafft, sich vom Nimbus des Feminismus zu emanzipieren. Er wird nicht mehr als Eindringen in “die letzte Männerbastion” gesehen, sondern als annähernd gleichartige Sportart. Da aber in der Allgemeinwahrnehmung irgendwie dieses Bild vom “Weiberhaufen”, der etwas macht, was nur Männer tun, gezeichnet wurde und das als einzige Motivation angesehen wurde, war es für die Frauen ein kleineres Problem, sich zu outen. Dass natürlich in allerlei Männerfantasien die gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Frauen positiver konotiert ist als jene zwischen Männern, dass “schwul” ein Schimpfwort war und ist, das ist nicht wegzudiskutieren. Lesbisch schwingt da irgendwie ganz anders und der Frauenfußball ist weit davon entfernt, jungen Frauen die selben Möglichkeiten zu bieten wie jungen Männern. Die mediale Response ist geringer. Eine Anmerkung, auf die ich durch eine aufmerksame Leserin hingewiesen wurde: Frauenfußball soll hier natürlich nicht als lesbisches Feld missverstanden werden. Die Frauen der Welt präsentieren sich aber in der Hinsicht Homosexualität offener und toleranter als die männlichen Pendants.
A footballer
Anton Hysen wil nur eines – ein Fußballer sein. Vermutlich würde er sich aber dabei nicht sehr wohlfühlen, wenn er beispielsweise Sonntags das 296. Wiener Derby besucht. Der Chant “Schwuler FAK/SCR” wird von beiden Fanlagern denunzierend und gerne gebraucht. Auch wenn es in der heutigen Gesellschaft quasi unmöglich ist, keine homosexuellen Bekannten zu haben, verliert sich die Einsicht bei Bier, Tschick und Kurvengesang sehr schnell. “Ihr Homos!!!”, “Du Schwuchtel!!!”, “Scheißwoama!!!” – Wörter, die zum guten Vokabular der Hardcorefans gehören. Dass ich den Link in einem Wiener Sportklub-Forum gefunden habe, ist auch bezeichnend – Der WSK (und auch der zweite kleinere Wiener Verein, die Vienna) gelten als Fanblock als Musterbeispiel einer nicht-diskrimierenden Kurve.
20 Jahre sind seit Justin Fashanus Comin-out vergangen, 1 Tag nach Anton Hysens. Niemand kann oder soll andere Spieler zwingen, sich zu outen, das ist Privatsache. Doch die Gesellschaft sollte weiter sein. Die Frage ist, ob Anton Hysen in 8 Jahren Profikicker ist – und nicht wie Fashanu, gemobbt, ausgewandert, mit nicht belegten Vorwürfen konfrontiert, am selbstgeknüpften Strick endet
bitte, wenn schon, dann richtig: Justin Fashanu. Ohne S hinten dran.
Wenn du den letzten Absatz meinst, handelt es sich hierbei um das Geneteiv-s!
nö. oben “Justin Fashanus [link] war 1990 (…)”
brauchst dir auch nicht zu nahe getreten fühlen. war mehr ein hinweis als bösartigkeit.
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